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Dienstag, 15. September 2020

Afrikanische Schweinepest: Schweinefleischpreise brechen zusammen - Wirtschaft

Es war eine schreckliche Entdeckung, die der Wanderer in Schenkendöbern in Brandenburg - sechs Kilometer von der polnischen Grenze entfernt - machte. Der Mann entdeckte einen toten Eber auf einem Feld mit geerntetem Mais. Der Kadaver war stark verfault, das Tier war schon lange dort. Labortests haben gezeigt, dass sie an einem für Menschen harmlosen, aber für Schweine tödlichen Virus gestorben ist: Afrikanische Schweinepest (ASF).
Für die Behörden und die Schweinehalter ist die Katastrophe eingetreten, vor der sie lange befürchtet hatten. Bisher waren nur Haus- und Wildschweine jenseits der deutschen Grenze in Polen betroffen, aber jetzt hat das Virus den Sprung nach Brandenburg geschafft. Deutschland ist jetzt offiziell ein ASP-Fall.
Wichtige Kunden wie China oder Südkorea kaufen kein deutsches Schweinefleisch mehr. Dies hat Konsequenzen für die Preise: Statt 1,47 Euro pro Kilo Schweinefleisch haben die Landwirte seit Freitag nur 1,27 Euro erhalten. Denn aus Angst vor Widerwillen der Käufer kaufen auch deutsche Lebensmittelhändler, Wursthersteller und Schlachthöfe weniger. „Die Schweinehaltung war schon früher eine negative Aktivität“, erklärt Matthias Quaing von der Deutschen Schweinezucht-Interessengruppe (ISN), „jetzt wird es schlimmer“.

Warum leiden die Exporte?

Es gibt Handelsabkommen mit Drittländern für den Handel außerhalb der EU. Insbesondere mit asiatischen Ländern wurde vereinbart, dass sie Schweinefleisch nur importieren, wenn Deutschland keinen ASP-Fall hat. Dies gilt auch für Wildschweine, da diese das Virus auf Hausschweine übertragen können. Länder wollen die Einschleppung des Virus verhindern. Innerhalb der EU gibt es jedoch nur Handelsbeschränkungen für Unternehmen, die direkt in der Risikozone Brandenburgs ansässig sind. Im Landkreis Spree-Neiße und im benachbarten Landkreis Oder-Spree sind rund 20 Betriebe betroffen.

Warum ist China so wichtig?

China ist mit Abstand der größte Abnehmer von deutschem Schweinefleisch. Dies gilt nicht nur für importierte Mengen, sondern auch für spezielle Präferenzen. In China sind Teile, die in Deutschland in Tierfutter landen, besonders gefragt: Ohren, Schwänze, Schnauzen.
Ein Zusammenbruch des chinesischen Marktes "würde uns sehr, sehr hart treffen", warnt der Präsident der Landwirte Joachim Rukwied. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) versucht, China von einem generellen Einfuhrverbot abzubringen und ein mögliches Einfrieren der Lieferungen in bestimmten Regionen zu begrenzen.
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Wie sind Schweinezüchter?

Deutsche Schweinezüchter stecken im Kreislauf steigender und fallender Schweinepreise. Zu Jahresbeginn erhielten sie noch 1,82 Euro pro Kilo Fleisch, weil China, das im eigenen Land stark unter der ASF-Epidemie gelitten hat, viel Fleisch aus Deutschland importierte. Aber dann kam Corona. Restaurants und Kantinen wurden geschlossen, die Preise sind gefallen.
Der massive Ausbruch von Covid-19-Fällen in deutschen Schlachthöfen bedeutet, dass Schlachthöfe vorübergehend keine Tiere mehr aufnehmen. China stoppte ebenfalls wochenlang die Importe, verband sich dann aber wieder mit Deutschlands größtem Schweineschlächter, Tönnies. Die Schweinehaltung ist für die Landwirte seit Monaten ein Verlustgeschäft. Der Marktexperte Quaing berichtet, dass die Kosten für Lebensmittel, Tierarzt und Stall allein 1,70 Euro pro Kilo betragen. Nur was darüber hinausgeht, geht an den Landwirt für seine Arbeit. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen aufgeben. Derzeit gibt es nur noch etwa 20.400 landwirtschaftliche Betriebe, fast 40 Prozent weniger als vor zehn Jahren.
Fair Game: Im Hauptbereich müssen alle Eber getötet werden. Foto: dpa

Wie wollen die Behörden eine weitere Epidemie verhindern?

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Ergebnisse der FAA hatten die brandenburgischen Behörden einen vorläufigen Radius von 15 Kilometern um das Gelände herum verfolgt. Um zu verhindern, dass andere infizierte Wildschweine das Virus verbreiten, gibt es derzeit keine Jagd in diesem Gebiet. Außerdem sollten Maisfelder, auf denen sich Tiere gerne aufhalten, nicht geerntet werden. Der Transport von Schweinen in das betroffene Gebiet sollte nur unter strengen Bedingungen von den Veterinärbehörden gestattet werden.
Unternehmen werden erneut aufgefordert, auf Hygienemaßnahmen zu achten. Desinfektionsmatten oder -schalen, Schlösser und Schutzkleidung für Mitarbeiter sind seit langem obligatorisch. Denn die Epidemie war schon wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die Behörden sind dabei, den vorläufigen Radius von 15 Kilometern in eine verbindliche Abgrenzung gleicher Größe umzuwandeln. Dies wird dann als gefährdeter Bereich angesehen.
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Wurstgefahr. Wenn das infizierte Fleisch verarbeitet wird, können Schweine, die solche Wurstsandwiches essen, infiziert werden. Foto: dpa

Was wird mit den Wildschweinen passieren?

Um den Standort des Kadavers wird ein zentraler Bereich von drei Kilometern errichtet. Dieser ist mit einem beweglichen Elektrozaun eingezäunt. In diesem Fall werden alle Wildschweine in diesem zentralen Bereich getötet, berichtet ein Sprecher des Potsdamer Verbraucherschutzministeriums. Es gibt auch eine intensive Suche nach neuen Schlachtkörpern. „In Rotten leben Wildschweine“, erklärt Martin Stricker von der Agrarversicherungstochter der Allianz in München und Magdeburger Agrar. "Es ist daher davon auszugehen, dass die Gruppe, zu der das Tier gehörte, ebenfalls infiziert ist."

Wie werden Landwirte entschädigt?

Wenn Hausschweine wegen ASF geschlachtet werden müssen, erhalten die Züchter eine finanzielle Entschädigung aus dem Tierseuchenfonds. Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will mehr Geld spritzen, wenn das nicht reicht. Versicherte Landwirte können den Versicherer auffordern, ihre ASP-Schäden zu erstatten. Ernteverluste sind ebenfalls gedeckt. Bisher gibt es keinen Impfstoff gegen das Virus.

Woher kommt die Krankheit?

Es ist nicht bekannt, ob der infizierte Eber aus Polen nach Deutschland eingewandert ist oder ob ASF durch Lebensmittelabfälle verbreitet wurde. Wenn das Fleisch eines infizierten Tieres beispielsweise zu Salami verarbeitet wird, bleibt das Virus dort weitere 100 Tage. Wenn ein Wildschwein ein solches Wurstbrot isst, wird es infiziert.

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